Jürgen W., alias "Rhönbahner"

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Langenschwalbacher von Schlosser - Baubericht

Erstellt am Montag, 26. November 2007, zuletzt aktualisiert am Dienstag, 7. September 2010


Da die einzigen Modelle der sogenannten Langenschwalbacher, die einst von Arnold angeboten wurden, formtechnisch überholt und schon seit längerer Zeit nicht mehr im Handel erhältlich sind, suchte ich nach einer Alternative für diese interessanten Personenwagen. Als DRG-Nachbauversion der Bauart 1923 mit Tonnendach werden diese als Messingbausätze bei der Fa. Bernd Schlosser, Lengsfelder Str. 1 b in 36460 Dietlas (Tel. 036963 / 20040) angeboten. Nach der telefonischen Bestellung eines Wagenpärchens (im Okt. 2007 zu je ca. 55 € pro Wagen) dauerte es bis zum Eintreffen des Päckchens ca. 2 Wochen. Ich erhielt pro Wagen 2 sauber geätzte Messing- sowie eine Neusilber (?) platine nebst einem Beutelchen mit Kleinteilen, einem Kunststoffgußteil für die Inneneinrichtung, einem kleinen Bogen mit Wassergleitbildern für die Beschriftung sowie einer achtseitigen Bauanleitung stellvertretend für alle Wagentypen, die im Detail manchmal etwas ausführlicher sein könnte.
Um es gleich vorweg zu nehmen: Der Bausatz hält, was der erste gute Eindruck verspricht; allerdings ist er nichts für "Doppellinkshänder" - ein wenig bastlerisches Grundgeschick sowie das entsprechende Werkzeug müssen vorhanden sein. Man benötigt einen kleinen Seitenschneider, eine Spitzzange, eine feine Pinzette, ein Bastelmesser, eine Schlüsselfeile, dünnflüssigen Sekundenkleber sowie einen kleinen Pinsel für das Positionieren der Wassergleitbilder.
Die einzelnen Baugruppen - Drehgestelle, Wagenboden, Wagenkasten etc. - werden aus den Ätzteilen zusammengefaltet und anschließend mit dünnflüssigem Sekundenkleber verklebt. Hierzu sind vorgeätzte Biegekanten vorhanden, wodurch diese Arbeitsschritte unkompliziert und sauber bewerkstelligt werden können. In Einzelfällen, nämlich dann, wenn an einem Biegefalz eine größere Stabilität gegen z.B. unbeabsichtigtes späteres Verbiegen erzielt werden soll, kann man die Biegekanten mit einem Tropfen Lötzinn verstärken. Das Dach wird am besten unter Zuhilfenahme eines runden Holzstückes (Besenstiel etc.) gebogen. Sind alle Einzelbaugruppen zusamengesetzt, erfolgt ein erster Probezusammenbau.
Ist sichergestellt, dass alle Baugruppen sauber zueinander passen, werden diese gründlich enfettet. Ich habe hierzu ein Ultraschallbad mit warmem Wasser benutzt, dem ich einige Tropfen Geschirrspülmittel zugegeben habe. Von Aceton etc. ist abzuraten, da Sekundenkleber wohl gegen Wasser, nicht aber gegen alle Lösemittel beständig ist.
Anschließend werden alle Teile/Baugruppen des Modells zunächst grundiert und nach ausreichender Trockenzeit lackiert. Verwendet habe ich hierzu eine Einfachairbrushpistole für 15 € von Revell sowie Druckluft aus der Dose; bei den jeweils nur kurzen Spritzphasen ist diese Minimalausrüstung völlig ausreichend. Zu beachten ist jedoch, daß die Dose in ein Warmwasserbad gestellt werden sollte, damit durch die entstehende Verdunstunskälte bei der Gasentnahme der Druck nicht zu sehr abfällt ud die Spritzpistole dann zu kleckern beginnt.
Nach 24 h Tockenzeit werden die Beschriftungen aufgebracht, gefolgt von einerm weiteren Lackiergang mit mattem Klarlack. Nach gründlichem Trocknen erfolgt nun die Endmontage. Damit die Lackierung darunter nicht leidet, sollte davor trotz aller Ungeduld am besten einige Tage gewartet werden, da dieser Arbeitsgang recht griffintensiv ist.
Aufpassen: Die Bühnen samt Pufferbohlen müssen stirnseitig bündig auf den Wagenboden und nicht vor, sondern zwischen die Seitenwände des Fahrgestells gesetzt werden, damit später der Wagenkasten klemmfrei aufgesetzt werden kann - es geht hier um Zehntelmillimeter. Erst nachdem dies sichergestellt ist und man die richtige Positionierung dieses Bauteils verstanden (!!) hat, darf es nach Einsetzen der KK-Kinematik verklebt werden. Ein Fehler in dieser Baustufe kann das gesamte Modell verderben!

Auf folgende Punkte ist beim Bau besonders zu achten:

- Teile erst dann biegen, wenn man den Sinn des Arbeitsschrittes verstanden und nachvollzogen hat. Wird ein Teil verkehrt herum gebogen, hat man keine zweite Chance: Es wird beim Korrekturversuch abbrechen.

- Konzentrische Lage der Achslagerbohrungen beachten, Ungenauigkeiten müssen später mit einem erhöhten Rollwiderstand bezahlt werden. Der Achslagerabstand ist um ca. 1 mm zu weit; die Seitenteile müssen deshalb etwas über den rechten Winkel hinaus zusammengebogen werden, damit die Radsätze nicht zu lose sitzen bzw. herausfallen. Die Achslagerbohrungen sollten ohne Farbe bleiben; ich habe sie deshalb vor Lackierung der Drehgestelle mit einem Tropfen Maskierlack abgedeckt.

- Entgegen der Anleitung können die Räder mit etwas Geschick durchaus VOR Montage der Drehgestelle am Wagenboden eingesetzt werden; dadurch wird dieser Arbeitsgang erleichtert.

- Scheibenfolien erst nach dem Verkleben des Daches und nach vollständiger Trocknung des Klebers einsetzen, sonst erblinden die Scheiben durch die Dämpfe des Sekundenklebers.

- Beim Einsetzen der Inneneinrichtung sicherstellen, daß diese nicht auf die Sicherungslaschen der KK-Kinematik drückt. Ggf. die Inneneinrichtung an den entsprechenden Stellen ausarbeiten, sonst klemmt später die Mechanik.

- Bei Verwenden der beiliegenden Fleischmann-Profikupplungen ist der Kupplungsabstand zu gering, so daß die Wagen nicht einkuppeln. Abhilfe: Die kleinen Rastzapfen an den KK-Köpfen entfernen, die Köpfe nicht vollständig in die Aufnahme einschieben und mit einem Tropfen Sekundenkleber sichern.

- Und zum Schluß, aber vielleicht als wichtigster Tip: Wenn man keine Lust mehr hat: AUFHÖREN und am nächsten Tag weiterarbeiten !!!!!!


Fazit:

- Sehr guter, paßgenauer Bausatz mit viel Bastelspaß
- Wenig Nacharbeit erforderlich (Gußgrate an Batteriekasten und
Inneneinrichung planfeilen)
- Sehr filigrane Modelle mit hervorragender Detaillierung
- Zeitaufwand: Ca. 4-5 Bastelabende pro Wagen (ohne
Trocknungsphasen)
- Die Laufeigenschaften sind befriedigend, allerdings nicht so
leichtlaufend wie die meisten Industriemodelle. Sorgfalt beim Bau
zahlt sich hier aus.


Kritikpunkte:

- Der Achslagerabstand der Drehgestelle ist um ca. 1 mm zu groß.
- Zu geringer Kupplungsabstand bei Verwendung der GFN-
Profikupplung, Ankuppeln ohne Nacharbeit z.T. nicht möglich.


Aber nun Schluß der Vorrede; ich kann nur jeden ermutigen, sich an diese Bastelei ebenfalls heranzuwagen. Lohn der Mühe sind wunderschöne Wagenmodelle, die nicht auf jeder Anlage zu finden sind.


So kommt der Bausatz aus der Packung (Der kleinteilebeutel ist hier nicht abgebildet)
So kommt der Bausatz aus der Packung (Der kleinteilebeutel ist hier nicht abgebildet)
Die Biegekanten des Drehgestells wurden mit Lötzinn verstärkt. Für einen leichten Lauf der Radsätze ist zuvor der richtige Biegewinkel der Achslagerseitenteile zu ermitteln.
Die Biegekanten des Drehgestells wurden mit Lötzinn verstärkt. Für einen leichten Lauf der Radsätze ist zuvor der richtige Biegewinkel der Achslagerseitenteile zu ermitteln.
Der Rahmen mit den entsprechenden Lötverstärkungen.
Der Rahmen mit den entsprechenden Lötverstärkungen.
... und der erste Probezusammenbau.
... und der erste Probezusammenbau.
Alle Baugruppen sind lackiert und beschriftet.Jetzt keine Ungeduld: Alles muß gründlich trocknen!
Alle Baugruppen sind lackiert und beschriftet.Jetzt keine Ungeduld: Alles muß gründlich trocknen!
Der Lohn der Mühe...
Der Lohn der Mühe...
... steht abfahrbereit ...
... steht abfahrbereit ...
... im Bahnhof.
... im Bahnhof.

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Folgende Kommentare wurden hinzugefügt:

Prellbock am Montag, 26. November 2007
Hallo,
klasse Bericht und superklassegenialtoll gebaut!! Meine Hochachtung! Ich überlege mir auch einen Bausatz (eher Donnerbüchse) zu zulegen.
LG
Ralf

HJBW am Montag, 26. November 2007
Lieber Modellbahnfreund Jürgen,
da kann ich nur staunen: Diese Geduld, dieses feinmechanische Geschick, diese Lackierfähigkeiten und und und das könnte ich nicht leisten. Umso größer mein Kompliment an dich. Mal sehen wann das Bild eines langen Zuges mit Langenschwalbachern hier zu sehen ist.

Beste Grüße Helmut (HJBW)

christoph am Dienstag, 27. November 2007
Hallo Jürgen,

der Baubericht ist super. Eine Frage hätte ich noch zu den Farben: mit welchen Farben hast Du die Wagen lackiert? Das Grün gefällt mir im Farbton sehr gut. Und welche Farbe hast Du für das Dach genommen?

Schöne Grüße aus Niedersachsen, Christoph

Rhönbahner am Mittwoch, 28. November 2007
Hallo Christoph,

Wagenkasten: Revell Nr. 363 seidenmatt (dunkelgrün), ich glaube, es ist RAL 6020
Dach: Revell Nr. 78 matt (panzergrau), RAL 7024

Das Dach habe ich nach der Lackierung mit der grauen Farbe nochmals mit der Airbrush behandelt (nur 1x mit schwarzer Farbe hin und zurück in Längsrichtung), um die Verschmutzung nachzubilden - aufpassen, daß es nicht zu dunkel wird! Alle Teile habe ich zum Schluß zur Erzielung eines einheitlichen "Glanz"grades und zur Fixierung der Wasserabziehbilder nochmals mit transparentem Mattlack überzogen.
Es handelt sich bei allen Farben um die gängigen 13 ml-Revelldöschen. Den Inhalt muß man zur Verarbeitung in der Airbrush-Pistole aber noch verdünnen, bis er in etwa eine Viskosität wie Milch hat. 2 bis 3 dünne Farbschichten auftragen und jede gut durchtrocknen lassen. Vorher jeweils kurz probesprühen, um die Qualität des Farbnebels beurteilen zu können.

@Helmut: Danke für das Kompliment, aber die Sache sieht komplizierter aus, als sie in Wirklichkeit war. Und das Lackieren ist wirklich nicht schwierig, auch ich bin diesbezüglich nur Amateur.

Beste Grüße
Jürgen

Reinhard R.,Landshut am Dienstag, 7. September 2010
Hallo!
Ich bin gerade dabei die Wagen zu bauen. Kleine Ergänzung zu den Tips von Jürgen:
Ich hatte ebenfalls das Problem mit den zu kurzen Achsen der Radsätze. Ein kurzer Anruf bei Herrn Schlosser hat ergeben daß wohl versehentlich falsche Radsätze dabei waren. Ich bekomme nun welche mit passender Achslänge.
Gruß Reinhard

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