Anleitung für Motorreparatur - 25. 1. 17

Dieser Eintrag befindet sich in der Kategorie Sonstiges, Nenngröße 1:160
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Da dieses Thema im 1:160-Forum in regelmäßigen Abständen auf der Tagesordnung erscheint, habe ich anläßlich eines Motorschadens meiner Baureihe 91 die Schritte der Aufarbeitung des Motors dokumentiert. Sehr häufig sind Fleischmann-Motore der Baugröße N betroffen, jedoch kann die grundsätzliche Vorgehensweise auch auf Motore anderer Hersteller übertragen werden, sofern diese demontierbar sind bzw. der Kollektor auf andere Weise einigermaßen zugänglich ist.

Meistens fallen betroffene Motore durch langsamen Lauf, Anlaufschwierigkeiten und hohe Stromaufnahme, oft verbunden mit Rauchentwicklung, auf. In diesen Fällen sind meistens die Spalte zwischen den einzelnen Kollektorsegmenten mit einem öligen Kohlenbürstenabrieb zugesetzt. Diese Kohlenpaste ist elektrisch leitfähig und schließt benachbarte Kollektorsegmente kurz. Verschärft wird dieses Problem durch die in vielen Modellen vorgenommene Überölung des Motors - daher an diese Stelle der Hinweis: Motorlager nur soviel ölen wie unbedingt notwendig: Lieber erwas weniger und bei Bedarf (Quietschen der Lager) wiederholen.

Generell sollte vor einer Digitalisierung der Motor eines Modelles in dieser Hinsicht überprüft und ggf. überholt werden, um Ärger durch Ansprechen der Kurzschlußsicherung und ggf. auch Beschädigung des Decoders zu vermeiden.

Die Reparatur gliedert sich in die folgenden Arbeitsschritte:

1) Demontage
2) Reinigung des Motors
3) Entölen der Kohlebürsten
4) Überarbeitung des Kollektors

Demontage: Es werden zunächst die Kohlebürsten des Motors entsprechend der Gebrauchsanleitung der Lok entfernt. Anschließend ist es zweckmäßig, die Antriebsschnecke des Motors zu entfernen. Bei Fleischmann ist diese aus Kunststoff und kann manuell von der Motorwelle abgezogen werden. Hierbei die Welle mit einer Zange festhalten, nicht am Motor selbst ziehen! Anschließend einen Schraubenzieher ansetzen und den Motorschild (Punkt 4/Bild 1) ausklipsen. Vorsicht: Dabei nicht ins Motorinnere abrutschen und die Ankerwicklung beschädigen! Besonders gefährdet sind die dünnen Kupferdrähte, die aus den Ankerwicklungen zu den Lötfahnen der Kollektoranschlüsse führen. Nach Abnehmen des Motorschildes wird der Anker aus dem Motorgehäuse entnommen. Nun sicherheitshalber prüfen, ob die Magnete im Motorgehäuse noch festsitzen (Bild 2). Sind diese lose, macht sich dies später durch rasselnde Geräusche (oft nur in einer Drehrichtung), ungleichmäßigen Lauf oder Blockieren des Motors bemerkbar. Vor dem Festkleben mit Pattex Stabilit Express die Klebeflächen mit Waschbenzin entfetten. Klebstoff sparsam auftragen!

Reinigung: Generell gilt: Wenn vermeidbar, sollten die Motorlager (Punkte 2 und 3/Bild 1) nicht in Lösungsmittel eingelegt werden, da sonst das Ölreservoir in den Sinterlagern entfernt wird. Am besten mit einem waschbenzingetränktem Wattestäbchen oberflächlich abwischen. Anschließend zugesetzte Kollektorspalte mit dem Rücken einer Bastelmesserklinge (Bild 3) grob freikratzen und den Kollektor in SR24 einlegen und reinigen, am besten in einem verschlossenen Marmeladengläschen in einem Ultraschallbad. Die Spalte selbst zur Entfernung letzter Ölreste mit einem feinen Pinsel und etwas Isopropanol nochmals separat reinigen. Kohlebürstenhalter samt Andruckfedern ebenfalls mit SR24 oder Waschbenzin entfetten.
Anmerkung: Nach meiner Erfahrung ist auch Waschbenzin zur Reinigung des Ankers geeignet. Es gibt jedoch Berichte, nach denen dadurch die Lackisolierung der Ankerwicklungen angelöst wird. Also Vorsicht!


Kohlebürsten entölen: Diese sind porös und saugen sich oft mit überschüssigem Öl aus dem Sinterlager voll. Zunächst grob den Kohleabrieb abwischen und prüfen, ob die Bürsten noch lang genug und symmetrisch angeschliffen sind (wenn nicht, ersetzen). Anschließend diese auf einen heißen Lötkolben setzen und warten, bis kein Öl mehr austritt und die Bürsten aufhören zu rauchen. Dies ist meist nach 1 - 2 Minuten der Fall.

Überarbeitung des Kollektors: Am Kollektor die gereinigten Spalte mit Stabilit Express auffüllen, dabei nur soviel Klebstoff auftragen, wie unbedingt nötig. Mit einer Bastelmesserklinge in den Spalt einarbeiten und Überschuß bis auf einen kleinen Wulst direkt über dem Spalt entfernen. Wenn der Kleber nach ca. 10 Minuten koaguliert (geleeförmige Konsistenz, am angemischten Rest kontrollieren), den Wulst mit einer scharfen(!) Klinge abschneiden. Nach endgültiger Aushärtung (ca. 1 Stunde warten) mit 400er Sandpapier die Kleberreste abtragen und anschließend mit 800er Papier endglätten. Der Kleber darf nur noch den Spalt auffüllen, alle Reste auf der Lauffläche des Kollektors müssen entfernt werden (Bilder 4 bis 7).

Zum Schluß Motor wieder zusammenbauen und Schnecke(n) aufstecken. Wenn der Motor beim Probelauf oder später zu quietschen beginnt, wurde wahrscheinlich das Ölreservoir aus den Sinterlagern beim Reinigen entfernt. In diesem Fall müssen die Lager dort sparsam (!) nachgeölt werden. Tropfenweise vorgehen, damit der Motor nicht erneut verölt, dies gilt besonders für das kollektorseitige Lager (Punkt 3/Bild 1). Weniger ist hier mehr.


Nachtrag: In manchen Fällen ist die Demontage des Motors nicht möglich oder angeraten. In diesem Fall sollte man zumindest die Kollektorspalte vorsichtig vom Kohlenabrieb befreien. Ggf. ist es auch sinnvoll, die scharfen Kanten des Kollektors, die wie Klingen wirken können, durch Entlangfahren mit einer scharfen Messerklinge vorsichtig anzufasen, um deren Hobelwirkung auf die Kohlebürsten zu verringern.

Nachtrag 2: Die porösen Sinterlager der Motoren binden eine überraschend große Menge an Öl. Ein mutmaßlich leeres Lager hatte innerhalb von 30 Minuten 2 versuchsweise aufgetragene Tropfen Öl vollständig aufgesaugt. Auch ein scheinbar ölfreier Motor kann durch stetig von einem ölgesättigten Lager abgegebenes Öl den Kollektor verschmutzen. Also nur soviel Öl auftragen wie unbedingt nötig.



Bild 1: Übersicht

Bild 2: Loser Magnet

Bild 3: Bastelmesserklinge

Bild 4: Gereinigte Kollektorspalte

Bild 5: Die sauberen Spalte sind mit Klebstoff verfüllt.

Bild 6: Der überschüssige Klebstoff, noch nicht vollständig ausgehärtet, wurde grob entfernt.

Bild 7: Anschließend wird der Kollektor mit einem Streifen feinen Sandpapiers vollständig plangeschliffen.

Bild 8: Ausheizen der Kohlebürsten zum Entfernen des aufgesaugten Öls.

Bild 9: Der fertig überholte Anker.

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Folgende Kommentare wurden hinzugefügt:

Kommentar von N-Bahn-Tom am 2. 2. 17
Hallo,
und vielen Dank. Das mit dem Kleber kannte ich noch nicht. Aber so ist es, man lernt immer wieder dazu.

freuNdliche Grüße,
Thomas

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