Minianlage Teil XXI: Resümee - 24. 3. 13

Dieser Eintrag befindet sich in der Kategorie Anlagenbau, Nenngröße 1:160
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Dieser Reihe von Beiträgen zeigte den Bau einer minimalistischen N-Anlage in Wort und Bild. Mit der Fertigstellung der Anlage kommt diese Serie zum Ende. Ich hoffe einige Ideen und Anregungen gezeigt zu haben. Viel Vergnügen beim Lesen, Anschauen und vielleicht auch Kommentieren!




Diese letzte Folge ist ein Blick zurück auf den Bau der Minianlage. Es geht um die Frage, was weiß ich jetzt, was ich vorher nicht wusste. Dass ich nach wie vor weiß, dass ich nichts weiß, steht dabei natürlich außer Frage…

Am Anfang der Minianagen-Idee stand der Plan, eine Reihe von Dingen auszuprobieren.

(1) Oberflächengestaltung mit Fliegendraht und Gips versus Styrodur-Technik. Beides habe ich ausprobiert. Was letztlich besser ist würde ich dem persönlichen Geschmack überlassen. Fliegendraht und Gips funktioniert wunderbar, ergibt ohne großen Aufwand schöne geschwungene Flächen. Styrodur lässt sich gut bearbeiten, ist deutlich leichter als Gips, aber ist eine ziemliche Schnitzerei. Dafür kann man ohne zu Bohren allerlei Dinge hineinstecken, z.B. Bäume. Im nächsten Projekt werde ich wohl beides kombinieren und die ein oder andere Spante durch Styrodur-Unterbau ersetzen. Die Pappmaché-Technik ist nicht so mein Ding, da müsste man noch mal mit dem Kleistertyp experimentieren.



(2) Gemauerte Bauwerke mit selbst geritzter Steinstruktur aus Sperrholz/Gips. Das hat wunderbar funktioniert und ist wirklich sehr einfach. Mit etwas Farbe bekommt man eine gute Wirkung und individuelle Bauwerke. Kann ich uneingeschränkt zur Nachahmung empfehlen.

(3) Felsen aus Gips in dieser Technik: http://www.tw-music.de/modellwelt/NDiorama.htm. Auch das hat bestens funktioniert. Voraussetzung ist ein professioneller Beitel zum Schnitzen. Danke für den Hinweis bezüglich der Schroffheit der Felsen.

(4) Elektrostatisches Begrasungsgerät: hier habe ich letztlich den Selbstbau gewählt, mit dem Ergebnis für unter 10 Euro bin ich extrem zufrieden. Vielleicht entsteht irgendwann einmal das Bedürfnis nach mehr Spannung, um eine stärkere aufrichtende Wirkung zu erzielen. Was die eingesetzten Grasfasern anbelangt, werde ich versuchen, beim nächsten Projekt etwas gedecktere Farben zu finden. Längen von 2,5 und 5 mm haben sich aber als sehr brauchbar herausgestellt.



(5) Maßstäblicher Gleisschotter in verschiedenen Tönen: den Luxus, sich den richtigen Farbton zusammenzumischen, sollte man sich gönnen. Ein nachträgliches Aufhellen durch leichte weiße Spitzen mit einem fast trockenen Pinsel aufgebracht ist ebenfalls gut möglich und verleiht der Oberfläche eine schöne Struktur. Was die Korngröße anbelangt, bin ich jedoch zu dem Schluss gekommen, dass etwas größere Steine eine bessere Wirkung haben. Denn bereits bei relativ geringem Betrachtungsabstand kann man keine einzelnen Steine mehr erkennen, zumindest bei künstlichem Licht. An verschiedenen Stellen wird für N Schotter empfohlen, der eigentlich bei TT maßstäblich wäre. Das Bild oben zeigt das Schotterbett im Sonnenlicht, wo es natürlich und körnig wirkt. Letztlich zählt aber die Beleuchtung, die in dem Raum herrscht, in dem die Anlage eingesetzt werden soll. Im Vergleich zu einer Realsituation darunter fällt vor allem das klobige Schienenprofil auf. Etwas besser wird’s mit Peco-Code-55-Gleisen. Die Original-Wirkung in N ist zurzeit leider wohl nur durch Gleisselbstbau erreichbar.

(6) Die Wirkung einer fotografierten Hintergrundkulisse stand als letzter Punkt auf der Liste. Auch das hat gut funktioniert. Eine Kulisse möchte ich auf keinen Fall mehr missen. Im nächsten Projekt werde ich mich einmal an einer gemalten Variante versuchen.



Andere Fragen, die nicht auf der damaligen Liste standen und sich im Verlauf des Anlagenbaus ergeben haben, waren die Gestaltung der Straße und der Selbstbau von Bäumen. Während ich bei der Straße nicht besonders weit ins Detail gegangen bin und z.B. Straßenbegrenzungen etc. weggelassen habe, hat der Bau von Bäumen meinen Nerv getroffen. Es liegen schon Materialien für einen Nadelbaumversuch bereit.

Aber nicht nur technische Details machen die Minianlage aus. Wesentlich ist letztlich das Gesamtkonzept einer Anlage, das in diesem Fall in Folge II entwickelt wurde.






Das Konzept basiert auf der Idee eines inszenierten Kreises, also dem Versuch, das klassische Oval durch entsprechende Landschaftsformen wie ein Stück freie Strecke erscheinen zu lassen. Und dies auf minimaler Grundfläche. Vergleicht man Plan und Ergebnis, so zeigt sich, dass das sichtbare Streckenstück sogar länger wirkt als erwartet. Die Kunstbauten geben der Anlage einen Charakter. Bauwerke dominieren zwar nicht, aber sie rücken doch immer wieder gerne ins Bild.

Spätestens beim Fotografieren hat sich herausgestellt, dass Perspektiven mit entsprechender Tiefenwirkung sozusagen das Salz in der Suppe sind. In gewissem Maße lässt sich so etwas im Vorhinein planen. Techniken aus der Malerei und Theaterbühnengestaltung spielen hier eine große Rolle. Das kann bis hin zu einer maßstäblichen Verkleinerung im Hintergrund gehen, z.B. einer Z-Hintergrundbahn. Bei den bescheidenen Ausdehnungen der Minianlage sind die Möglichkeiten natürlich begrenzt. Besonders gerne betrachte ich die fertige Anlage aber von den Schmalseiten aus. Bei der Planung eines neuen Projektes sollte man auf jeden Fall einmal die Option einer Grundfläche durchdenken, die tiefer als breit ist.






Bei fast allen meinen bisherigen Projekten, wie auch bei der Minianlage, ließen sich enge Kurven bis hinunter zu R1 nicht vermeiden. Meine Erfahrung ist, dass sich die Wirkung solcher krassen Radien durch entsprechende Gestaltung und ausreichende Übergangsbögen so weit abschwächen lässt, dass die Wirkung durchaus akzeptabel ist.



Als Beispiel dafür sei die Kurve über die Unterführung gezeigt. Das obere Bild mit D-Zugwagen zeigt, wie stark dessen Überhang ausfällt. Nach entsprechender Ausgestaltung und aus niedriger Perspektive fällt die enge Kurve aber nicht mehr weiter ins Gewicht. Hier erscheint sogar die lange 44 nicht überproportioniert. Wenn man hingegen den Platz hat, auf enge Radien verzichten zu können, dann ist dies natürlich die Option der Wahl.

Zum Ausblick noch ein paar Gedanken dazu, wie es mit der Minianlage weiter gehen könnte. Ein kleiner Kreis für kurze Züge, das kann ja schnell langweilig werden, könnte man denken. Aber aus dem Kreis kann schnell etwas anderes werden, wie der unten abgebildete Gleisplan mit Peco-Code-55-Gleismaterial zeigt. Mit wenigen Handgriffen sind die Gleise im Schattenbahnhof verändert, sie sind dort schließlich nur mit kurzen Nägeln im Holz fixiert. So könnte man die Minianlage zu einer respektablen Nebenbahn mit Kopfbahnhof ausbauen. Mit einem entsprechend ausgebautem Schattenbahnhof (jetzt auch mit etwas längerem Überholgleis) ist ein Verkehr mit bis zu vier Zügen kein Problem. Den Bahnhof könnte man ganz nach Belieben mit Lokversorgungsanlagen, Gütergleisen und/oder Zugabstellgleisen ausstatten. Die Dreh- oder Segmentdrehscheibe ermöglicht eine kompakte Bauform. Hinter dem Bahnhof könnte ein schmales Tal liegen, dass von der Bahnhofseinfahrtskurve über ein schönes Viadukt gequert wird.



Zum Schluss möchte ich mich ganz herzlich bei allen Bedanken, welche diese Serie verfolgt und kommentiert haben! Das hat mich bei der Arbeit bestärkt, beim Schreiben beflügelt und nicht zuletzt auch das Ergebnis beeinflusst. Es hat sehr viel Spaß gemacht.


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Folgende Kommentare wurden hinzugefügt:

Kommentar von buckeback am 24. 3. 13
Hallo Friedrich,

ich finde deine kleine Anlage gehört mit zu dem besten was ich so bisher gesehen habe. Aber besonders prima finde ich deine Beschreibung und die detaillierten Foto´s dazu, gerade für Anfänger ein prima Ratgeber. Da lernt man eine Menge über die verschiedenen Techniken.
Ich finde es immer klasse wenn jemand seine Erfahrungen allen zur Verfügung stellt, danke.

Gruß
Martin

Kommentar von Okieh am 24. 3. 13
Hallo Friederich,
ich möchte mich auch recht herzlich bedanken für das, was deine Serie "Minianlage" bewirkt hat. Nämlich die Lust am Ausprobieren und am Bauen! Ja sogar die Elektrik ist kein Buch mit sieben Siegeln mehr! Wirklich allerliebsten Dank für diese tolle Berichterstattung, ich freue mich auf weitere Projekte von Dir!
LG
Heiko

Kommentar von eisenbahnseiten.de am 25. 3. 13
Vielen Dank für das sehr gut zusammengestellte und interessante Resümee!

Die Beiträge über den Bau dieser Mini-Anlage gehören für mich zu den Top Favoriten bei mobablog!

P.S.: Dein gewählter Abstand der Telegrafenmasten hat übrigends mit zu einer interessanten Diskussion über den korrekten Abstand in 1:160 beitragen ;-) Siehe hier: http://www.spassbahner.com/newforum/index.php?page=Thread&threadID=10940 (ab Nr. 27 wird es für Dich interessant)

Ich freue mich schon über weitere Bauberichte der geplanten Erweiterung!

Grüße Andreas

Kommentar von Stefan K. am 26. 3. 13
Hallo,

jetzt habe ich mich extra angemeldet, weil ich auch noch ein großes Lob loswerden wollte. Ich bin zufällig über Google auf diese Serie gestoßen und habe sie dann mit großem Interesse verfolgt. Vielen Dank für die ausführlichen Baubeschreibungen und die tollen Fotos. Als Anfänger habe ich viele nützliche Tipps erhalten und teilweise auch schon nachgebaut.
Eine kurze Anmerkung habe ich noch zu Teil YI und der selbstgebauten Brücke. Ich habe ebenfalls ein Cuttermesser genommen, um die Form aus dem Holz zu lösen. Aber das ist meiner Meinung nach zu gefährlich, da man leicht abrutschen kann. Wenn ich mit den Tunnelportalen beginne, nehme ich hierfür lieber eine Stichsäge.

Grüße Stefan

Kommentar von Achim G. am 12. 11. 13
Eine der besten Baubeschreibungen die man im Netz finden kann. Ich spiele ernsthaft mit dem Gedanken die Minianlage nachzubauen. Tolle Bilder, tolle Beschreibungen, insgesamt rundum gelungen.
Danke für diesen tollen Bericht

MfG
Achim

Kommentar von Kupzinger am 12. 11. 13
Lieben Dank für die äußerst potitiven Kommentare, auch noch Monate nach Abschluss des Projektes. Das freut mich sehr!

Beste Grüße
Kupzinger

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