Minianlage Teil XIV: Gras - 2. 3. 13

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Dieser Reihe von Beiträgen zeigt den Bau einer minimalistischen N-Anlage in Wort und Bild. Jeder Beitrag beschränkt sich auf einen Schritt, der in maximal zehn Bildern beschrieben werden kann. Ich hoffe einige Ideen und Anregungen zeigen zu können. Viel Vergnügen beim Lesen, Anschauen und vielleicht auch Kommentieren!

Zutaten in dieser Folge:
Grasfasern ca 2,5 mm
Woodland Turf
Leim
(Pulver-)Farbe braun
Elektrostatisches Begrasungsgerät
Pinsel




Das Erzeugen einer realistischer Bewuchsfläche auf der Modellbahn ist natürlich wieder einmal so eine Wissenschaft für sich. Wesentliche Erkenntnis für mich war: soetwas besteht aus mehreren Schichten, die in mehreren Durchläufen (von niedrig bis hoch) aufgebracht werden. Die Schichten können aus Streumaterial ("Turf"), Grasfasern, Grasbüscheln etc. bestehen. Ausführung, Deckungsgrad und Farbe der Schichten können stark variieren und bestimmen letztlich das Endergebnis. Ich habe hier versucht, ein vernünftiges Ergebnis mit überschaubarem Aufwand und überschaubaren Kosten zu erreichen. Oben drauf kommt dann noch eine Menge Gebüsch, aber dazu erst in den nächsten Folgen. Hier soll es erst einmal nur um die Basisschicht gehen.


Zentrales Werkzeug beim Aufbringen von Grasschichten ist der Elektrostat, mit dem es geling, einigermaßen senkrecht stehende Fasern in die Leimschicht zu befördern. Das Thema Elektrostat ist, besonders wegen der hohen Kosten von kommerziell erhältlichen Produkten, viel diskutiert. In Prinzip muss man sich zwischen drei Varianten entscheiden (oder kauft Grasmatten):

1. Verwendung einer einfachen Plastikflasche. Durch einen speziellen Auslass hindurch werden die Fasern hinausgepustet und laden sich dabei elektrostatisch auf. Das funktioniert für flächiges Aufbringen einer Grundschicht gar nicht so schlecht. Allerdings pustet man die Fasern damit wirklich überall hin, eine ziemliche Sauerei. Der Hauptnachteil ist aber in meinen Augen, dass diese Methode beim Pflanzen punktueller Büschel in der zweiten Schicht versagt. Für N würde ich sagen, Flaschenmethode ist ok, aber man muss dann hinterher noch kommerziell erhältliche Büschel etc. draufsetzen.

2. Man baut sich einen Elektrostaten selbst. Dazu gibt es im Internet eine Reihe von Anleitungen, z.B. hier: http://www.nproject.org/de/modellbahn-landschaft/elektrostatisches-begrasen-auf-der-modellbahn.html. Man sollte eine gewisse Ahnung über Elektrizität, Ströme, Spannungen und Stromkreise haben, um den Bau durchzuführen und das Gerät sachgerecht verwenden zu können. Diese Methode habe ich verwendet. Als Faserbehälter habe ich allerdings kein Teesieb sondern eine halbe Schotterplastikflasche verwendet, welche um ein Fliegengitter als Elektrode erweitert wurde. Basis ist Griff und Hochspannungsgenerator einer elektrischen Fliegenklatsche, wobei ich hier noch einen 1MΩ-Wiederstand zwischen Generator und Elektrode geschaltet habe, um den Strom zu begrenzen, sollte doch einmal etwas (oder ich) in den Stromkreis gelangen. Für Nachbauten dieser Konstruktion übernehme ich natürlich keine Verantwortung.

3. Oder man kauft sich einfach ein Gerät im Handel. Zurzeit sind auch günstige Varianten (Remakes?) aus Asien zu bekommen, allerdings mit langer Lieferzeit, weshalb ich bei Variante 2 gelandet bin. Ein professionelles Gerät wird sicherlich durch höhere Spannungen eine bessere Wirkung erzielen. Hier muss man einfach entscheiden, was man ausgeben möchte.



Das Bild oben zeigt den Vergleich von Eigenbau-Elektrostat- (oben) und Plastikflaschen-Technik aus einem Vorprojekt (unten). Wie erwähnt ist in der Fläche kein großer Unterschied zu erkennen. Insbesondere durch Nacharbeiten mit dem Staubsauger kann man das "Flaschenergebnis" noch trimmen. Erst bei Detailarbeiten in der zweiten Schicht und bei längeren Fasern spielt der Elektrostat seine Stärken aus, zumindest mein Selbstbaugerät.



Zu Beginn habe ich den Umgang mit dem Gerät erst einmal trocken auf einem Brett geübt. Die Grundfläche muss mit einem geeigneten Klebstoff eingestrichen werden, dann wird die untere Elektrode in den feuchten Untergrund eingesteckt. Verschiedene Versuche ergaben, dass es sinnvoll ist, Farbe und Leim gleich zu mischen, statt in zwei Durchläufen aufzubringen. Farbe allein, was hier und da auch mal vorgeschlagen wird, hat bei mir nicht gut gehalten (liegt wohl an der Farbe). Ideal ist eine Wasser-Leim-Pulverfarbenmischung, die sich schön satt aufbringen lässt, nicht so schnell verläuft und auch nicht zu schnell trocknet. Ein brauner, nicht zu dunkler Grundton hat sich bei meinen Vorversuchen als sehr natürlich wirkend herausgestellt.

Zurückhaltender und niedriger als die Grasfasern ist grünes Streumaterial, z.B. Turf von Woodland. Damit habe ich den Bereich der Felsen ausgestattet, indem ich das Material einfach in ein Leimbett gestreut und dann kurz angedrückt habe. Auch die Ränder des Bahndamms bekommen eine Schicht Turf. Die Grenzen der Rasenflächen müssen grundiert werden, damit hier der weiße Gips nicht durchscheint (ist mir etwas zu rötlich geraten, sieht man aber später kaum noch). Überflüssige Materialen, sei es Turf oder Grasfasern, kann man immer wieder mit dem Staubsauger durch ein Stück einer Strumpfhose hindurch absaugen. Am besten Schritt für Schritt, sonst gibt es ggf. ungewollte Mischungen.



Dann geht’s richtig los, und Fläche für Fläche bekommt einen Überzug aus 2,5 mm Frühlingswiese von Noch. Bewusst habe ich mich für eine kräftige Farbe entschieden, werde demnächst aber noch etwas anderes an anderer Stelle ausprobieren.



Ein kleiner Feldweg entsteht auf Grundlage einer mit Gleisschotter eingestreuten Fläche, die mit Turf und Fasern überdeckt wird, bis nur noch die zwei Fahrstreifen zu sehen sind.



Hier ist der Elektrostat im Einsatz. Durch kräftiges Klopfen an den Faserbehälter werden die Fasern auf die Leimfläche befördert. Durch Auf- und Abbewegen des Elektrostaten kann man die Fasern noch weiter ausrichten. Da immer zu viele Fasern auf die Fläche fallen und ihre Nachbarn niederdrücken, habe ich mit dem Staubsauger die nicht fixierten Fasern direkt wieder entfernt und dann die übriggebliebenen Fasern erneut aufgerichtet. Die untere Elektrode besteht aus einer Nadel, die man hier und da einmal umsetzen muss. Auch bei fast getrockneter Leimschicht funktioniert die Technik noch.



Der Triebwagen taucht zum ersten Mal in der grünen Landschaft auf und durchquert den Einschnitt …



… um kurz danach den Damm und die Unterführung zu überqueren. Schließlich verschwindet er im Tunnel.



Ohne Bäume und Sträucher wirkt die Szenerie noch wie zu besten Dampfzeiten, wo zum Schutz vor Bränden dem Zuwuchern der Bahndämme aktiv entgegengewirkt wurde.

Wird fortgesetzt.

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