Projekt Karwendel: Modul Schlossbachbrücke (1) - 9. 5. 13

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Mit diesem Beitrag möchte ich eine neue Serie eröffnen, welche den Bau eines kleinen Hochgebirgsmoduls zeigt. Die dabei verwendeten Techniken habe ich hier [http://www.mobablog.info/blog.php?id=1655] erprobt. Jetzt geht es aber nicht mehr um eine eigenständige Minianlage, sondern um den Bau eines Teils meiner Modulanlage, deren Endpunkte ich hier [http://www.mobablog.info/blog.php?id=1500] und hier [http://www.mobablog.info/blog.php?id=1649] schon mal vorgestellt habe.

Auf der Suche nach einer eingleisigen Strecke in Österreich-Deutschen Grenzgebiet mit Gebirgscharakter als Thema für meine Modulanlage in Baugröße N stieß ich auf die Karwendelbahn. Als elektrische Lokalbahn geplant war sie einst ein Innovationstreiber im Bereich des elektrischen Bahnbetriebs. Auf der Strecke Garmisch-Partenkirchen - Mittenwald - Scharnitz - Innsbruck verkehrten und verkehren unterschiedlichste Zugkompositionen inklusive einiger interessanter Fernverkehrszüge. Und nicht zuletzt habe ich in Scharnitz als Kind zum ersten Mal eine ÖBB 1020 gesehen. Aus diesen Blickwinkeln also ein bestens geeigneter Kandidat für eine Umsetzung auf meiner kleinen, aber wachstumsfähigen Modulanlage.

Bei diversen Recherchen für ein anderes Projekt war ich bereits darüber gestolpert, dass die Schlossbachbrücke, eines der vielleicht bekanntesten Bauwerke auf der Strecke, als Laser-Cut-Modell kommerziell verfügbar ist. Einem "Schlossbach-Modul" stand also nicht mehr viel im Wege. Natürlich ist - wie so oft - nur eine verkleinerte Version umsetzbar. Unter Zuhilfenahme einiger Original-Abbildung entstand eine erste Skizze, welche die wesentlichen Motive des Moduls festhält. Der vordere Bereich liegt auf einem Regal auf und kann daher nicht beliebig in die Tiefe gehen.




Das Schlossbach-Modul erfüllt auf meiner Anlage eine Spezialfunktion. Es ist das einzige Modul, das nur auf einer Seite einen Modulanschluss hat. Auf der Rückseite führt die Strecke in einen Durchlass durch eine Wand. Beim Standard-Modulübergang liegt das Gleis in der Mitte auf 30 cm Breite, der Durchgang hat aber einen Wandabstand von 7 cm. Die Maße des Schlossbach-Moduls sind mit ca. 90 cm x 30 cm fixiert. Um zu überprüfen, ob auf dieser Fläche überhaupt eine einigermaßen überzeugende Nachbildung der Szenerie möglich ist, habe ich ein Kontrollmodell im Maßstab 1:5 aus Styrodur angefertigt.



In Anlehnung an die Originalsituation kann man so das Geländeprofil Stück für Stück herausschälen. Es zeigt sich, dass die Tiefe der Schlucht auf dem Modul nur sehr bedingt darstellbar ist. Würde ich das Tal weiter ausschneiden, hinge die Brücke relativ nackt in der Luft. Die räumliche Wirkung ergibt sich meines Erachtens eher, wenn die Schlucht weniger Tief, dafür aber das Schlucht-Ende noch dargestellt ist.



Wie tief die Schlucht im hinteren Bereich nun wirklich ausgeschnitten wird, steht immer noch nicht ganz fest. Hier bin ich mir über die Wirkung noch nicht ganz sicher.
Aufgrund des 1:5-Modells konnte ich dann eine Rahmenkonstruktion entwerfen. Die besondere Herausforderung hierbei war, dass der Rahmen nicht allseitig geschlossen ist. Da das Modul links nur 10,8 cm in die Tiefe gehen kann, weil es dort auf einem Regal aufliegt, entsteht an der Regalkante eine Schwachstelle im vorderen Rahmenteil. Durch die Einführung eines Bodens (den ich normalerweise in offener Rahmenbauweise nicht verwende) ist die Stabilität wieder hergestellt. Im Wesentlichen wird das Modul jedoch durch eine starke Rückwand getragen.



Aus dem 1:5-Modell ließen sich die Maße der Einzelteile ermitteln. Ich habe diesmal alle Teile im Baumarkt vorschneiden lassen. Aus den rechteckigen Teilen habe ich dann nur noch die Rundungen ausgesägt. Das kostet nicht (viel) mehr als das rohe Holz und ist deutlich bequemer. Um ca. 30 Euro habe ich mir 44 Teile für 8 Module fertigen lassen. Allerdings wurde an der Kassa jedes einzelne der 44 Teile mit Länge mal Breite eingetippt. Vielleicht erinnert sich einer der Leser an die lange Schlange am Samstag …



Das Laser-Cut-Modell der Schlossbachbrücke steht schon einige Zeit montiert bereit und harrt der Landschaft, in welches es integriert wird. Die Montage der Kartonteile ist in der Anleitung einigermaßen gut beschrieben, nur bei den senkrechten Trägern im Kern des Tragwerks ist diese interpretationsbedürftig. Hier sollte man alles gut ausprobieren, bevor man klebt. Ich habe einige Träger wieder herausreißen müssen, was sich zum Glück recht gut kaschieren ließ.



Nach dem Zurechtsägen der Teile habe ich sie testweise mit Kreppband zusammengeflickt um zu überprüfen, ob alles so passt wie geplant. "First time right" - hier zeigt sich der Vorteil einer guten Planung, mit der ich einige Zeit verbracht habe. Tückisch sind immer die Berücksichtigung von Materialstärken und ggf. schräge Kanten (die es hier zum Glück nicht gibt). Bei komplizierten Strukturen ist ein Minimodell sehr empfehlenswert, das erleichtert die Fehlervermeidung ungemein.



Nachdem mir Schalldämmung im Gleisbereich nicht so wichtig ist, dass ich einen speziellen Schotterkleber aus diesem Grunde anschaffen würde, ich jedoch seit dem letzten Projekt meterweise 2mm-Korkbahnen herumliegen habe, versuche ich es bei diesem Modul einmal mit einer (für mich) neuen Oberbauschichtung. Das Trassenbrett wird mit einem breiten Korkstreifen belegt, darauf kommt ein schmaler Streifen zum Anheben des Gleises. Das Schotterbett liegt also komplett auf dem unteren breiten Streifen auf. So müsste die durch den Schotter verursachte Schallbrücke zum Untergrund einigermaßen eingedämmt sein. Das oben abgebildete Experiment hat ergeben, dass der untere Korkstreifen 4 cm (wie im Bild), ggf. auch nur 3,8 cm breit sein muss.



Diesmal habe ich bei der Montage weitgehend auf Schrauben verzichtet und das ganze einfach nur zusammengeleimt. Die Konstruktion hält bestens und kommt ohne den im Plan eingezeichneten Verstärkungsbalken aus. Etwas kritisch ist der plane Einbau der aufgrund der Brücke unterbrochenen Trasse. Hier waren Hilfsmittel wie Winkelmaß und Wasserwage vonnöten. Wichtig ist, dass der Abstand der Brückenpfeiler stabil ist, sonst verwirft sich die Gleistrasse im Brückenbereich später. Ggf. werde ich das Gleis sogar ganz leicht unter Spannung setzen (und dazu in den zwei kurzen Tunneln gut fixieren).



Die Befestigung der Brücke ist auch nicht trivial. Ich habe hierzu schräge Styrodurstreifen verwendet, die nachträglich auch noch was Beton- oder Felsoberfläche gestaltet werden können. Die Brücke liegt locker auf und wird durch das später aufgelegte Gleis in Position gehalten. Kleben werde ich da wohl nichts. Der Korkunterbau ist im Bild nur probehalber aufgelegt.



Ja, da könnte man jetzt schon mal drüber gehen, wenn man ca. 160-mal kleiner wäre…
Die letzte Frage wäre dann noch, wie oben erwähnt, ob die hintere Talöffnung noch weiter ausgeschnitten wird oder nicht.


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Folgende Kommentare wurden hinzugefügt:

Kommentar von HWST am 9. 5. 13
Hallo,
wird wieder ein schönes Modell mit viel Stimmung.
Bezüglich Schallentkopplung würde ich die unteren Korkbahnen mit einem etwas elastischem, schallabsorbierendem Kleber auf die Trassenbrettchen kleben. Ich habe da mit Silikon aus der Kartusche gute Erfahrungen gemacht. Da bleibt der Korkunterbau fest verklebt, aber elastisch und es gibt keine Schallbrücke.
Grüße
H-W

Kommentar von Peter D. am 9. 5. 13
Toll!! Gute Fahrt! Peter

Kommentar von Peter D. am 9. 5. 13
Toll!! Gute Fahrt! Peter

Kommentar von Phil am 9. 5. 13
Hallo Friederich,

das wird ja ein ganz feines Modul, Gratulation zum raschen Baufortschritt - die Karwendelbahn gehoert auch zu meinen Lieblingsstrecken, sehr gut koennte man den Bahnhof Reith und andere Szenerien in die Modulanlage einfuegen. Ich habe einen Alba-Band mit tollen Anregungen dazu. Vielleicht sollten wir uns einmal an einem Clubabend ueber eine streckenmaessige Erweiterung unterhalten:-)

Beste Gruesse, Phil

Kommentar von eisenbahnseiten.de am 19. 5. 13
Die Bilder schreien nach Mehr! Ich freue mich schon auf weitere Bilder im Baufortschritt.

Grüße Andreas

Kommentar von p75sa am 8. 7. 13
Hallo Friederich,

ich habe die Schlossbachbrücke auch schon seit Monaten als geplantes Bastelprojekt im Schrank- will das auf ein TTrak-Modul bringen....

Jedenfalls, war ich am Wochenende wiedermal in der Schlossbachklamm fotografieren,
falls Du also noch Vorlagenfotos benötigst gibt diese in meinem Blog:

http://quoderatdemonstrantum.blogspot.co.at/2013/07/schlossbachbrucke-im-sommer.html

http://quoderatdemonstrantum.blogspot.co.at/2013/02/schlossbachbrucke-bei-leithenhochzirl.html

http://quoderatdemonstrantum.blogspot.co.at/2013/02/wiederholungstater-diesmal-aber-die.html

Falls gewünscht, ich habe noch einige Detailfotos im Fundus...

LG aus Innsbruck

Alfred

PS: hoffentlich gibt es bald Teil 2 von diesem Blog :-)



Kommentar von Kupzinger am 4. 9. 13
Lieber Alfred,

danke für Deinen Kommentar und die Links zu meinem Schlossbachbrücken-Blogeintrag. Hilft sehr weiter. Leider habe ich den Kommentar erst jetzt gesehen. Das ist im Mobablog ein bisserl deppert, wenn man nicht ständig seine eigenen Einträge anschaut...

Beste Grüße aus Wien
Kupzinger

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