Friederich K., alias "Kupzinger"
Mehr ->Micro Layout „Gorse Valley“ – Teil 11: Bodenbelag und Zaun
Erstellt am Sonntag, 15. März 2026
Hallo zusammen,
Nun kommen wir zum Kern der Winterdarstellung im Gorse Valley – dem Bodenbelag. Hier kommt es auf Texturen und Farben an, damit die Wirkung stimmig ist. Ich habe hier zum ersten Mal auch einen Airbrush für die nachträgliche Einfärbung von Grasfasern, Turf etc. verwendet. Das ist ein gutes Mittel, um Textur und Farbe getrennt voneinander zu gestalten und nicht allein auf die Farbpaletten von kommerziell erhältlichen Grasfasern bzw. Streumaterialien angewiesen zu sein.
SCHICHTAUFBAU
Gorse Valley ist 1:148 im Winter. Das bedeutet, dass die Höhe des in Spur N ohnehin schon recht niedrigen Bodenbewuchses sich in noch engeren Grenzen halten sollte. Ein Großteil der Fläche der Mini-Anlage ist mit kargem Gras bewachsen. Das darf auf keinen Fall zu langweilig werden. Ich habe daher folgenden Schichtaufbau gewählt:
Der Untergrund besteht aus Styrodur, das mit Cutter und Raspel bearbeitetes wurde. Das ist hilfreich, um später diverse Dinge hineinstecken zu können - Bäume, Sträucher, Zaunpfähle. Wichtig: rundliche Konturen, keine oder kaum flache Regionen, raue Oberflächen. Darauf kommt eine graubraune Farbschicht, hier und da mit eingerieseltem Schotter. Die Grundlage für die Bodengestaltung übernimmt dann eine in Leim eingestreute Schicht feinen Sandes (den ich üblicherweise an Flussufern sammle, der aber auch käuflich erwerbbar ist). Die Farbe spielt keine allzu große Rolle, außer, wenn größere unbewachsene Bereiche wie z.B. Abbruchkanten bei Entwässerungsgräben dargestellt werden sollen. Diese Basis ist in den Bildern vom Hintergrundfoto-Beitrag zu sehen.
Nun kommt eine fleckige Schicht feines Streumaterial („Turf“) in Grün- bis Brauntönen. Der Sand sollte da noch teilweise durchscheinen, bzw. kann auch noch etwas nachgerieselt werden. Wenn der Leim (Ponal Express, minimal mit Wasser verdünnt) nahezu trocken ist, streiche ich längliche Flecken (quer zur primären Sichtrichtung) wieder mit Leim ein und bringe 2 mm Grasfasern auf (dunkelgrün, braun, gelblich-ocker). Hier kann es gut wirken, in den feuchten Leim noch etwas feinen Sand zu rieseln - das reduziert die „gefühlte Höhe“ der Fasern. An geschützten Stellen, z.B. am Bahndamm-Rand, kommen auch 4 mm Fasern zum Einsatz.
Wenn dies wiederum gut getrocknet ist, kommt noch die „geheime Zutat“ für Herbst- und Winteranlagen: trockenes Laub. Ich habe immer einen kleinen Vorrat aus getrockneten Blättern (großflächige, dünne Exemplare), die dann in einer Schlagmesser-Mühle (Ex-Kaffeemühle) zerkleinert werden und durch ein feines Sieb an ausgesuchten Stellen auf die Anlage gerieselt werden. Insbesondere dort, wo die Bäume stehen bzw. dort, wo sich Laub sammeln würde. Vorher und nachher bringe ich NOCH Haftspray auf, ein Haarspray tut es ebenfalls, riecht nur anders…
Das schaut jetzt alles irgendwie gut, aber irgendwie auch zu bunt aus.
GRAS UND AIRBRUSH
Daher kommt jetzt der Einsatz des Airbrushs. Ich bin Airbrush-Anfänger, aber bei der Bodenbelag-Gestaltung kann man eigentlich nicht viel falsch machen. Wenn die Farbe nicht passt, kommt später noch eine andere drauf. Also munter drauflos.
Ziel ist es, die vielen Farben, die jetzt auf der Anlage zusammengekommen sind, aneinander anzugleichen, und die Farbübergänge fließender zu machen. Gras trocknet ja nicht an einer Stelle ganz plötzlich, und daneben gar nicht, sondern auch da gibt es in der Realität Übergänge. Dieser Effekt ist vergleichbar mit der Alterung von Modellen, wo nach der Detail-Bemalung mittels Wash oder Airbrush eine teiltransparente Deckschicht aufgebracht wird, die dann die starken Kontraste wieder dämpft. Das Schöne bei Fasermaterial ist, dass es durch einen Airbrush-Farbauftrag aus verschiedenen Richtungen unterschiedlich ausschaut, genauso wie z.B. Grashalme von oben dunkler und von der Seite/von unten heller sind.
Ich habe erst mal ein stark verdünntes Graubraun aufgebracht, und dann mit einer eher gelblichen Mischung Akzente gesetzt. Die Ursprungsfarben scheinen weiter durch, werden aber aneinander angepasst. Auch die recht hellen Echtblätter bekommen so eine winterlich dunkle Färbung, ohne das Streumaterial und Fasern komplett gleichfarbig werden (wichtig: starke Verdünnung der Farben).
ZAUN UND AIRBRUSH
Britische Bahnstrecken sind eingezäunt (Fencing). Die Darstellung eines Zauns ist also wichtig für Gorse Valley. Auf einem alten Bild aus LNER Zeiten habe ich eine Zaunvariante mit Holzpfosten und vier gespannten Seilen/Drähten gesehen, das wollte ich nachbilden. Das schien zunächst einfach: Pfosten mit Löchern aus dem 3D-Drucker, Seile aus Draht.
Die Anzahl der benötigten Pfosten für 60 cm Zaun war dann gleich mal höher als zunächst gedacht (> 50). Überall mussten die Löcher nachgestochen werden, das Auffädeln der Drähte war eine mehrabendliche Geduldsübung. Was ich jedoch komplett unterschätzt hatte, war das Anmalen.
Draht lässt sich nicht vernünftig mit dem Pinsel einfärben. Also musste der Airbrush wieder zum Einsatz kommen. Allerdings „in situ“, denn die Pfostenabstände ergeben sich durch die Einstecklöcher im Styrodur. Ich habe lange rumgebastelt, um die Umgebung des Zauns gut abzukleben. Leider verläuft der unterste Draht (durchaus absichtlich) quer durchs Gras. Nach dem Ansprühen hatte ich einen hässlichen braunen Streifen in der Vegetation unter dem Zaun.
Es blieb mir nichts anderes übrig, als den Zaun doch wieder ganz zu entfernen, und den braunen Streifen mit anderen Farbtönen und etwas Streumaterial zu kaschieren. Das ist zum Glück leicht gelungen. Den Zaun habe ich dann abseits der Anlage komplett eingesprüht – es waren noch etliche Schichten notwendig. Nach dem Einstecken auf der Anlage hatten sich die Pfosten aber unweigerlich wieder verschoben, so dass tausende blanke Drahtstellen auftauchten. Diese ließen sich dann zu meiner Beruhigung doch mit Pinsel und viel Geduld wieder beseitigen.
Der fertige Zaun gibt der Anlage einen filigranen Charakter und ist für die Wiesenfläche ein schöner optischer Ankerpunkt.
Liebe Grüße
Kupzinger
Turf wird in leicht verdünnten Leim eingestreut.
Punktuell kommen 2 mm Grasfasern zum Einsatz
Grobes Streumaterial verfüllt diverse Ecken und Kanten, wie z.B. die hintere Bahnsteigkante
Streifen von helleren 2 mm Fasern werden gesetzt. Die Textur passt jetzt, die Farben wirken unnatürlich
Nach dem Einsatz von Airbrush-Farbe verblenden sich die Übergänge
Unter dem Baum liegt noch unbehanndeltes Echt-Laub. Das ist für "mitten im Winter" noch zu hell.
Der Hang ist ebenfalls mit Laub bestreut, das ist hier schon nachgefärbt. An der Stelle werden Büche und kleine Bäume stehen.
Der Baum jetzt mit korrigierter Bodenlaub-Farbe.
Die Zaunpfähle werden mittels Abstandhalter gesetzt
Die Teile für die Bahnübergangsicherung stammen aus dem 3D-Drucker und sind noch nicht fertig coloriert.
Der Zaun verändert den Charakter des Bahndamms
Zaundetail vor Einfärbung. Hier sieht man, dass eine Farbänderung dringend notwendig ist.
Abklebeaktion, die ich mir hätte sparen können
Der Off-Scene fertig besprühte Zaun
Größenvergleich
Zaun in der Sonne
Zugverkehr in Gorston
Die Selbstbau-Weiche nun in nahezu fertig gestalteter Umgebung
Ø-Userbewertung:




(2 Bewertungen)© des Blogs bei "Kupzinger" - jegliche weitere Verwendung (Text/Bilder) benötigt seine Zustimmung.
Beitrag bewerten:
Nur registrierte User dürfen Bewertungen vornehmen.Einloggen | Registrieren
Bisher wurden noch keine Kommentare hinzugefügt.
Kommentare können nur durch registrierte User eingegeben werden: Einloggen oder Registrieren.Seitenaufrufe aktueller Monat: 356
